Mit Version 2.0 bewertet das Märkische Modell nicht mehr nur Fläche, sondern Wirkung. Dafür sorgen zwei Faktoren: der Eingriffsfaktor (EF) aus Anlage 1 und der Maßnahmenfaktor (MF) aus Anlage 2. Wer beide versteht, versteht, warum eine Bilanz so ausfällt, wie sie ausfällt.
1. Anlage 1: Der Eingriffsfaktor (EF)
Der EF beschreibt, wie schwer ein Eingriff wirkt. Er startet bei einem Basiswert von 1,0 und wird um Zuschläge für die relevanten Wirkpfade der Anlage erhöht:
- Bewegung → +0,2
- Licht → +0,2
- Schall → +0,1
- Erschütterungen → +0,1
- Geruch → +0,1
Für eine Windenergieanlage ergibt sich daraus typischerweise ein EF von 1,3 (mit bedarfsgesteuerter Nachtkennzeichnung) bis 1,5. Warum das für die Ersatzzahlung entscheidend ist, lesen Sie im Beitrag „BNK senkt die Ersatzzahlung".
Kurz gesagt: Der EF macht den Eingriff rechnerisch „größer" – je mehr Wirkpfade, desto höher der Kompensationsbedarf.
2. Anlage 2: Der Maßnahmenfaktor (MF)
Der MF beschreibt, wie wertvoll eine Kompensationsmaßnahme für das Landschaftsbild ist. Er wird nicht pauschal vergeben, sondern über den Zielbiotoptyp der Maßnahme bestimmt – von 1,0 (Basis) bis 2,0 (höchste Aufwertung). Ein Überblick:
- MF 2,0 – Gewässerrenaturierung, Tümpel & Quellen, Rückbau an Gewässern
- MF 1,8 – Streuobstwiesen, Röhrichte & Seggenriede, Heiden, Niedermoore
- MF 1,6 – Hecken & Feldgehölze, Waldrandentwicklung
- MF 1,4 – Säume, Auenwälder
- MF 1,2 – Ackerbrachen, Blühstreifen, Magerrasen & Binnendünen, Biotopverbund
- MF 1,0 – extensiver Acker/Grünland, naturnahe Waldbewirtschaftung, Entsiegelung, Rückbau baulicher Anlagen
Die Logik dahinter: Maßnahmen, die im Landschaftsbild besonders sichtbar und eigenartprägend wirken – offene Gewässer, Gehölzstrukturen, Streuobst – erhalten eine höhere Gewichtung als flächige Nutzungsänderungen.
Kurz gesagt: Der MF macht die Maßnahme rechnerisch „wirksamer" – hochwertige Maßnahmen kompensieren mit weniger Fläche.
3. Wie beide zusammenwirken
In der Bilanz greifen beide Faktoren an gegenüberliegenden Enden:
- Der EF erhöht die anrechenbare Eingriffsfläche – also den Kompensationsbedarf.
- Der MF erhöht die anrechenbare Kompensationsfläche – also den Beitrag der Maßnahmen.
Aus der Differenz beider Seiten ergibt sich der Flächensaldo und daraus die Ersatzzahlung. Wer den Kompensationsbedarf effizient decken will, wählt deshalb gezielt Maßnahmen mit hohem MF – sie leisten pro Quadratmeter mehr.
Fazit
Anlage 1 und Anlage 2 sind das Herz des Märkischen Modells 2.0: Der Eingriffsfaktor beziffert die Schwere des Eingriffs, der Maßnahmenfaktor die Qualität der Kompensation. Beide gemeinsam machen aus einer reinen Flächenbilanz eine wirkungsorientierte Bewertung – und eröffnen zugleich Spielraum für eine kluge Maßnahmenplanung.
Faktoren am eigenen Vorhaben durchspielen
Im Online-Rechner sehen Sie direkt, wie sich Eingriffs- und Maßnahmenfaktor auf Bilanz und Ersatzzahlung auswirken.